Samstag, 29. Juli 2017

Das Ende der Kunst

Die dicke Frau mit der rotgefärbten Kurzhaarfrisur, die vor die Presse trat, war eine der Sprecherinnen der deutschen Sektion der NOOOAAJUFOCMUCOP (Non Official Organisation Of Arts And Justice For Creative Multi Colored People). Sie sprach in ihrem Statement davon, dass die meisten Sektionen ihrer Organisation bereits ein Jahr nach ihrer Gründung ein stückweit gut aufgestellt seien und dass Künstlerinnen und Künstler endlich einer Quotenregelung für Kunst der Ureinwohner, wie auch für Kunst von politisch Verfolgten, für Kunst von Schwulen und Lesben, von Gender-, Frauen-, afro-amerikanischer, indogener, antifaschistischer- und Volks-Kunst ein großes Stück näher gekommen seien, dass nun die Betroffenen selbst in Selbstbestimmung ihre eigene originäre Kunst schaffen und zeigen könnten, ohne ertragen zu müssen von selbstherrlichen, selbst ernannten 'Künstlern' weiter zu Objekten degradiert zu werden.

In dem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass es endlich auch gelungen sei, die Bilder des Malers Gauguin aus den Museen entfernen zu lassen. „Sie gehören verbannt und verbrannt“, sagte sie der eifrig auf Sätze wartenden Presse. Zugegeben, ein griffiger, zitierfähiger Spruch. Alle fingen an zu schreiben. „Diese Art von Bildern sind politisch nicht mehr haltbar.“ Alle blickten auf.
Opfer von Gauguin: Frauen auf Tahiti
Sie seien, sagte sie weiter, typischer Ausdruck eines eurozentristischen, rassistischen Weltbildes, das sich in einem typisch arroganten, voyeuristischen Blick auf die Ureinwohner manifestieren würde.
Die neue Ausstellung „Wir sind anders“ würde endlich ausschließlich mit authentischen Werken der Ureinwohner bestückt werden können.
„Bunt, stark und authentisch“ sei das Motto.

Ob die patriarchale Religionskunst nicht auch auf die Liste gehöre, fragte ein interessierter Journalist und ein anderer, wann denn dann mit der Sprengung des Kölner Doms zu rechnen sei.
Die dicke Frau explodierte. Das sei die typische Art einer verlogenen Main-Stream-Presse, die gerechten Anliegen von Betroffenen in den Schmutz zu ziehen, giftete die Sprecherin.

Andere Sparten seien schon weiter. Auf den Theaterbühnen des Landes gäbe es schon lange, statt unverständlicher, wirklichkeitsferner 'Dichtkunst', das Recherche-Theater, in dem die Betroffenen selbst, die Flüchtlinge, Arbeitslosen und diskriminierten Minderheiten zu sehen seien, um unmittelbar ihre Geschichten selbst zu erzählen. Man müsse sich nicht mehr mit verstaubten Königsdramen den Blick auf die Fakten verstellen lassen. Ein Dichter habe nur dann noch aktuelle Kraft, wenn er mit zeitgenössischen Texten verbunden sei. Das neue multi-mediale, interaktive Theater sei Vorbild und Beispiel genug für jede Kunst, sagte sie und beendete die Pressekonferenz, ohne weitere Fragen zu beantworten.

Freitag, 21. Juli 2017

Dem Erklärbär kannst du nicht entkommen

Ununterbrochenes Meinungs-Geplapper. Im Fernsehen haben Lieschen, Fritz, Ahmed, Fatima und Niköööö auf jeden Fall und überall ein Mikrööö vor der Nase und produzieren Meinungen. Meinungen zu Syrien, Burka, Wetter, Waschmittel, Wahlen, Kindesmissbrauch, Unfällen, Bränden und Preisen. Dazu werden jeden Tag fünfzig neue Bücher mit Meinungen über, sagen wir, Gerechtigkeit oder gesundes Essen oder Wege zum Glück, auf den Markt geworfen. Noch verwaschener, korrekter, sauberer und antiseptischer als in unseren Zeiten geht es kaum noch.
Wo ist der Dreck geblieben, der Witz, wo bleiben die Geschichten, die Theaterstücke, die surrealen Bilder?

Es ist grauenhaft. Von überall her werden wir mit Realität konfrontiert, mit Authentizität, wir werden von Fakten, Daten und Zahlen eingekreist, mit Statistiken und Binsenweisheiten beworfen. Gegen den Hass, für die Liebe, gegen Rassismus, für die Buntheit, für die Wahrheit, gegen die Lüge, für das Gute, gegen das Böse. Unfassbar. Teilen, teilen, teilen. Wir gehen unter im Kugelhagel der Meinungen. Bewusstlos. Stopp. Fakten-Check. Aber die Fakten im Fakten-Check sind falsch. Was nun? Egal. Alle glauben alles.

Wir Intellektuellen aber wissen: Weniger glauben, mehr wissen. Also: Statt lachen zu dürfen, sehen wir das lehrreiche Recherche-Kabarett. Hier bekommen wir die Statistiken auch noch erklärt: soundsoviel Prozent im Land besitzen soundsoviel, und nur soundsoviel Prozent besitzen soundsoviel. Bedeutungsschwangere Pause. Kreischen, hysterischer Applaus.
Also gibt es statt Kabarett: Neues aus der Anstalt, statt Satire: Mann, Sieber! Statt politischer Analyse: Carolin Emke, statt Unterhaltung: Hirschhausen, statt Nachrichten: heuteplus, statt Essen die nächste Kochshow. Wahnsinnig authentisch. Nur dass es nichts zu lachen, nichts zu riechen und nichts zu schmecken gibt.

Das alles lässt sich auch kurz zusammenfassen. Alles ist Hashtag: #kurzerklärt.
Überall wird erklärt, erklärt und nochmal erklärt. Hauptsache erklärt. Hauptsache Fakten, Fakten, Fakten.
Auf dem Schirm erscheinen Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren, schwarz vor rotem Hintergrund, tauchen auf und verschwinden wieder. Sprechblasen und Pictogramme erklären uns Kindern in Deutschland die Fakten. Was ist so lustig an Fakten?
Animierte Figuren, die sich vermehren, verschieben oder umfallen. Aha.

Aber warum bluten sie nicht, wenn über Kriege berichtet wird, warum werden ihnen keine Finger oder Beine abgetrennt? Stattdessen sehen wir Geldscheine, die fliegen, wenn Geld ausgegeben wird - und all die schwirrenden Pfeile, Quadrate, Säulen und Kuchenstücke, aber die Kuchenstücke werden nicht von Putin gefressen oder von Xi Jinping an die Wand geworfen, die animierten Häuser nicht in lustigen Explosionen in die Luft gejagt. Warum wird Erdogan nicht sabbernd im Laufställchen gezeigt, oder Trump in der Anstalt, oder Kaczynski als Giftzwerg, oder Schulz ohne Kopf?

Das bringt mich auf eine Idee. Das wären doch gute Geschichten. Und gute Geschichten, gutes Theater sind wahrer und wahrhaftiger als jeder Tweet und jeder Check. Was brauchen wir Fakten? Erzählen wir unsere Märchen.

Samstag, 15. Juli 2017

Talkshows entrümpeln - Bosbach war der erste

Der Weg zu einer guten Talkshow ist, ja was eigentlich? Erst einmal alle abschaffen. Die Gäste sind sowieso immer dieselben, nur die Moderatorinnen wechseln. Früher wurde noch diskutiert. Heute werden Statements an Köpfe geworfen oder nur noch durcheinander gequatscht. Also: entweder Erklärbär oder Wut-Erklärbär. Also, wenn schon denn schon. Erster Schritt: BITTE ladet die richtigen Skandalgäste ein, zum Beispiel Jutta Dittfurth. Eine linke Erklärbärin der ersten Stunde. Dann steht zumindest einer auf. Obwohl ich mich sowieso immer frage, warum niemand aufsteht, wenn Bosbach quatscht, oder Stegner, oder Söder oder Gauland.

Dank an Erklärbärin Jutta Dittfurth: Danke! Bosbach hast du schon geschafft. Wolfgang Bosbach geht. Er verlässt eine Talk-Runde! Das ist eine Sensation. Und es war gar nicht so schwierig. Also los! Auch die Erdogan-Propagandisten, CSU-Schwätzer, die schlecht gelaunten SPD-Quatschtüten, die sprachunfähigen 'Linken', die AfD-Hetzer, die kriegst du auch noch weg. Bitte!

Es reicht doch wenn nur eine Frau dummes Zeug quatscht. Und dann reden nicht mehr alle durcheinander. Und wir sehen eine Erklärbär-Mischung aus Gabriele Krone-Schmalz und Claudia Roth. Sensationell. Und anschließend dürfen alle Wahrheitssuchenden wieder posten: Endlich sagt mal jemand die Wahrheit!

Samstag, 8. Juli 2017

Straßenschlacht in Hamburg

Hamburg, 7. Juli 2017
Die Schlacht von Hamburg macht mich wütend. Mit Links oder gar Widerstand gegen G20 hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun. Null Politik. Auf der einen Seite die verkrachten Lederjackenträgern aus tiefster Vergangenheit, die sich fleezen und lallen und meinen, wenn die Polizei sie angreife - dann sei es kein Wunder, dass sie die Stadt auseinander nehmen müssten. Da fehlen mir die Worte.

Auf der anderen Seite der Jugendmob von heute. Ob dumpfe Rassisten, oder Hooligans vor den Fußballstadien, tätowierte, plündernde, saufende, grölende Rudel aufgepumpter Männer - sie wüten durch die Landschaft, um ihre geistige Leere mit Gewalt in die Straßen zu schneiden.

Dummheit, religiöser Wahn, Rassismus, Hass, eine ganze Schicht ungebildeter Jugendlicher, explosiv auch ohne Sprenggürtel, kriminelle Dummbeutel, bewaffnet mit Smart- (wie ironisch) phones, haben einen Auftrag: Destabilisierung der Demokratie. Das macht sie zu Hilfstruppen von Erdogan, Putin, Trump, den schwer erziehbaren Gewalttätern aus der oberen Etage. Aber dafür sind die aus dem Erdgeschoss zu blöd, das auch nur ansatzweise zu begreifen, gläubig bis zum Hirntod. Ihr widerwärtigen Idioten, macht euch vom Acker.

Wir wollen weder Erdogans Schläger, noch Putins Banden, noch Trumps Ku Klux Klan, weder Pegida-Mob noch Islam-Terror, weder braunen noch schwarzen Block.

Dienstag, 4. Juli 2017

Nachtrag: Bühnen Köln sind fertig - die Kulturverwaltung auch - wir noch nicht ganz

Immer neue Zahlen. 2023 stehen die Bühnen Köln aber nun wirklich zur Eröffnung bereit (woher kenne ich nur solche Formulierungen). Auch die Kosten, die sich seit Ratsbeschluss mehr als verdoppelt haben, werden immer präziser benannt.

Am 1. Juli 2017 schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger von 250 Millionen Euro. Am 2. Juli hieß es: Es sind doch schon 570 Millionen Euro - mindestens.
Korrektur am 3. Juli: 570.554.049,49 Euro

Jetzt meine Bitte: Kann das Theater am Sachsenring nicht wenigstens diese 554.049,49 Euro haben? Auf den einen Tag kommt es doch nicht an.
Das wären nur 500.000 Euro mehr als der Zuschuss, auf den wir jetzt bereits seit 12 Jahren warten.

Die Kulturverwaltung lehnt normalerweise in fast allen Fällen, wenn es um Kultur geht, die Verantwortung ab: "Das entscheidet der Beirat" oder "Das hat die Politik so gewollt" oder "Der Topf ist leider schon leer", oder die Anliegen werden einfach zurückgewiesen oder delegiert oder ignoriert. Oder die Kulturdezernentin sagt wieder: "Ich trage hier nicht den Oberverantwortungshut". Ist kein Witz.

Also Vorschlag: In diesem Falle könnte die Verwaltung einfach einmal eine Umbuchung vornehmen. Kostet keine Mühe. Eine Bühne für Schauspiel, für zeitgenössische und klassische Stücke, im Zentrum der Stadt - dem TAS würde die Summe reichen, um weiter auf bekanntem Niveau Theater spielen zu können. Na, wie wär's?

Samstag, 1. Juli 2017

Bühnen Köln sind fertig - in sieben Jahren (frühestens)

Zwischenbericht: Nach Jahrzehnten beschloss der Rat der Stadt Köln 2009 endlich neue Bühnen am Offenbachplatz zu bauen. Ein lang gehegter Traum sollte Wirklichkeit werden.

Dann traten Neven DuMont, Karin Beier und eine so genannte 'alternative' Bewegung ("Mut zu Kultur") auf den Plan und setzten sich für eine Sanierung ein. Eine regelrechte Kampagne gegen den Neubau begann. Mit Argumenten wie Denkmalschutz und Sparsamkeit. Und mehr Geld für die Kunst.
Naivität oder Täuschungsmanöver oder beides? Auf jeden Fall handfeste Interessen. Wie immer. Ein Jahr später war der Beschluss vom Tisch.

Ich habe damals schon dagegen angeschrieben und habe Unverständnis geerntet.
Wer will kann einen Kommentar von vor sieben Jahren nachlesen:

http://spiegel-jk.blogspot.de/2010/02/inhalt-vor-fassade.html

Leider, wie schon im Ringen um eine bessere Förderung der freien Theaterszene, haben sich auch im Falle 'Sanierung' die geäußerten Befürchtungen in allen Punkten bestätigt.

Konkret: Die Sanierung von Oper und Schauspiel in Köln sollte 232 Millionen kosten, na ja, sagen wir mit Puffer 253 Millionen Euro, so genehmigte es der Rat. Da alle wissen, dass eine Genehmigung immer durch die Kosten überholt wird, auch mit Puffer (das gehört zum Ritual), sagen wir doch großzügig 350 Millionen. Der Rat musste aber, nachdem das auch das keine realistische Größe mehr war, vor einiger Zeit noch eine letzte Genehmigung beschließen. 404 Millionen Euro. Die Sanierung sollte 2015 abgeschlossen sein. Also sagen wir zwei Jahre später, also jetzt.

Jetzt wird aber erst ein Zwischenbericht vorgelegt.
Fertigstellung 2022 (frühestens) - Kosten 550 Millionen Euro. Ende nicht in Sicht. Schließlich geht es um Bautätigkeit, nicht um Kunst. Oder?


Sonntag, 25. Juni 2017

Schulz,

heißt es nicht Gereschtigkeit? So wie "europäisch"? Oder doch eher umgekehrt. Die europäichen Bürger und Bürger... Ach, lassen wir das. Ja, in der SP  fängt die Verwirrung schon mit der Aussprache an - und dem Verschlucken von Endungen.

Und Schröder, jaaa, zurecht erinnerst du die Partei an deine vorbildliche Aufholjagd 2005. Die SPD soll es jetzt genauso machen. Ja. Wird sie. Und am Ende wird Frau Merkel Kanzlerin. Wie damals. "Auf in den Kampf, Genossen und Genossen", sagt er und verschluckt wieder etwas. Ist sowieso nur Gedöns.

Und Schröder, schon wieder mangelt es auch hier an Aussprachekenntnissen. Und das in der Schlussbemerkung. Die soll kämpferisch klingen, lateinamerikanisch, irgendwie revolutionär, damals Che - heute Chulz. Aber, Chröder, es heißt nicht Venkeremos!
Der ZDF meldet wenig später, Chröder habe dem Parteitag Ventscheremos zugerufen. NEIN!
Auch falsch. Alles falsch. Dieser Unsinn wurde übrigens aus den folgenden Nachrichtensendungen herausgenommen.

Wogegen kämpft ihr? Gegen Windmühlen, gegen die eigene Vergangenheit? Gegen Frau Merkel. Die wird auf dem Parteitag zur Feindin stilisiert. Kann ich verstehen. Sie ist in vielen Dingen das Gegenstück: souverän, überlegt, intelligent, ruhig und eines der wenigen vernunftbegabten Wesen an der Spitze eines Landes. Wie kann man so etwas in Zukunft verhindern... Da kommen dem Chulz schon jetzt Verschwörungs-Phantasien. Die Merkel wolle durch dieses ewige Überlegen und Nachdenken die Wähler und Wähler einschläfern, damit sie nicht wählen gehen. Sie betreibe, was in Berliner Kreisen (Achtung Verschwörung) "asymmetriche Demobilisierung" genannt werde. Wow. Die hacht arbeitenden Menchen werden ihn genau verstanden haben. Sie wollen einen kämpferichen Kandidaten. Also wird Chulz zum deutschen Erdogan und setzt noch einen drauf: "ICH NENNE DAS EINEN ANSCHLAG AUF DIE DEMOKRATIE" - oh Mann! Ist dat warm hier. Und - er zieht die Jacke aus. Sicher ganz spontan.

Die Erkenntnis, durch ständiges Wiederholen wird ein Wort auch nicht richtiger oder wahrer, die Erkenntnis wird ignoriert, weil die SPD trotz misslungenem Internet-Pop und Schulzzug-Hype in den 'Netzwerken' immer noch an Simpel-Botschaften in Tweet-Format glaubt und daran festhält. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit...

Zeit für mehr Gerechtigkeit oder Bildung (oder war es doch umgekehrt?) Irgendwas mit Gerechtigkeit und Zeit und Bildung. Tweet. Venkeremos Kommandante Chulz!

Montag, 29. Mai 2017

Kulturzeit

Zitate aus einer Kulturzeit-Sendung vom 29. Mai 2017

Thema: Theater der Welt in Hamburg.
Die Moderatorin sagt: "Auch wenn das Konzept nichts Neues hat..." Nein! Ist nicht wahr!
"Die Festivalleiter wollen vor allem eins: Grenzen überschreiten". Ach Gottchen. Grenzen überschreiten. Das ist ja mal was ganz neues.
"Diesmal ist der Theaterbegriff ganz besonders weit gefasst", sagt die Moderatorin. Ach ja? Diesmal?
Jetzt sehen wir: Frau mit weißer Bluse beschmiert sich Bluse und Gesicht mit roter Farbe.
Ach ja, und Mitmachtheater gibt es auch und die Moderatorin schleppt Sandsäcke.
Und es gibt überhaupt jede Menge Performance. Vieles findet die Moderatorin "erwartbar" und nicht gelungen.
In einer Inszenierung spielt Text wieder einmal kaum noch eine Rolle. "Textpassagen werden durch schier endloses Gestöhne ersetzt". Ach ja?
Fazit: Nicht immer geglückt...
Das habe ich wirklich nicht für möglich gehalten.
Kurz zuvor hatte Jonathan Meese (duschgeknallter Performance Künstler) schon in 'Kulturzeit' als Teil der Salzburger Festspiele gefordert, man solle endlich das Theatertheater hinwegfegen.
Der Festivalleiter schien einverstanden und redete über Entgrenzung und Performance. Ende.

Sonntag, 14. Mai 2017

NRWIERT abgewählt

Langsam geben mir die Wahlergebnisse Vertrauen in den Geisteszustand des Wählers und auch der Wählerin zurück. Die Nazis im Mäntelchen der AfD werden zwar leider immer noch gewählt. dafür gibt es viel zu viele wütende, unterbelichtete Gestalten, aber sie bleiben deutlich zwischen 5 und 10%. Die Putin-Nachplapperer ebenso.

Vor allem: Rot-Grün ist abgewählt und Mutti Kraft verschwindet. Mit Bildung und Kultur kann es also nur aufwärts gehen. Und auch die Grünen können sich hinter die Ohren schreiben, dass manchmal ein Blick auf die Wirklichkeit und die Benennung von Tatsachen durchaus helfen kann. Wir haben uns alle lieb und bleiben sauber - das ist zu wenig.

Außerdem: Dass Internet-Kampagnen, Hashtags, Hetze und einfältige Parolen nicht immer greifen, ist ein gutes Zeichen. Die Demokratie lebt.

Samstag, 13. Mai 2017

Xaver, der wütende Bauer

Wir haben es ja nicht nur mit dem eiskalten Avatar Helene Fischer und ihrem Schlager-Kitsch zu tun, nein, die Wuschel-Bübchen mit ihrem Kalenderspruch-Gelalle müssen wir auch noch ertragen - das nennt sich deutsche Pop Musik, ein Industrieprodukt, das sich vom verklebten Schlager schon lange nicht mehr unterscheidet.

An der Spitze des Jammer-Pops aber steht seit Jahren der Xaver mit seinen Söhnen aus Mannheim. Xaver macht am besten klar, wohin die Reise geht, wenn wir einen Blick hinter die Kulissen des Kitsches werfen. Oder einfach auf die Texte und woher sie kommen. Xaver hängt gerne mit dem Verschwörungs-Papst Elsässer ab und würde, wie alle Abgehängten und Verwirrten, am liebsten mit der Mistgabel unser besetztes Deutschland aufräumen.
Obwohl, eigentlich ist er Demokrat. Und Künstler. Also nichts für Ungut.
Kunst und Liebe sei das, sagt er und seine Freunde, Kabarettist Mittermeier und andere Quarkköpfe, verteidigen das Unschuldslamm mit Glockengeläut. Hört ihm doch mal zu!

Nein, das Wortgefetze, das der Xaver Songtext oder gar Kunst nennt, ist natürlich bei weitem keine Aneinanderreihung von Verschwörungsphrasen und Nazi-Sprüchen. Und sicher kein Aufruf die "Marionetten" aufzuhängen, wie auf den Pegida-Kundgebungen, man sollte sie nur in Fetzen reißen, die Marionetten, die Teile des Volkes schon Volksverräter nennen.

Xaver meint, das Produzieren von Songs geschehe sowieso ohne Bewusstsein. Ja, klar, woher soll das auch kommen? Denn sie wissen nicht was sie tun.
Ein Freund, so erzählt er treuherzig, spiele ihm eine Melodie vor und dann passiere es einfach. "In diesen Momenten verschwende ich keinen einzigen bewussten Gedanken darauf, wohin mich die Reise wohl führen mag." Ein anderer Freund findet, er werde immer missverstanden. Alles sei aus dem Zusammenhang gerissen. "Die grösste Lüge ist das Weglassen!" Alles Unterdrückung der Wahrheit. In Wahrheit Texte eines Genies.

Also gut. Lesen wir gemeinsam Strophe 2 und Strophe 4 seines Werkes ungekürzt. Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Marionetten

2. Strophe
"Aufgereiht zum Scheitern wie Perlen an einer Perlenkette
Seid ihr nicht eine Matroschka weiter im Kampf um eure Ehrenrettung
Ihr seid blind für Nylon und Fäden an euren Gliedern und
Hat man euch im Bundestag, ihr zittert wie eure Gliedmaßen
Alles nur peinlich und sowas nennt sich dann Volksvertreter
Teile eures Volkes nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter
Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid
Mit dem Zweiten sieht man (besser)

4. Strophe
Ihr seid so langsam und träge, es ist entsetzlich
Denkt, ihr wisst alles besser und besser geht's nicht, schätz' ich
Doch wir denken für euch mit und lieben euch als Menschen
Als Volks-in-die-Fresse-Treter stoßt ihr an eure Grenzen
Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung
Und bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen
Wenn ich so ein'n in die Finger krieg', dann reiß' ich ihn in Fetzen
Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen

Mittwoch, 10. Mai 2017

Trump entlässt FBI-Chef

Auch darauf habe ich gewartet. Danach konnte man die Uhr stellen. Obwohl jetzt alle überrascht und geschockt scheinen.
Der FBI-Chef James Comey ist von Trump fristlos entlassen worden (Unruhe) - Wegen der Clinton-EMail-Affaire (Gelächter) - Er sei unfähig (Gelächter). Ein nicht ganz einmaliger Vorgang.

Comey hatte dem notorischen Lügner Trump, auch während der ersten Tage seiner Präsidentschaft, öffentlich und mehrmals widersprochen (Obama habe Trump nicht abgehört, wie der in unflätigen Tweets behauptete). Zur gleichen Zeit wollte das FBI untersuchen, wie stark und auf welche Weise die Trump Administration mit Putin und seinen Agenten verbunden war und ist oder gemeinsame Sache macht. Ob Erdogan, Putin oder Trump - es sind immer die selben Methoden.
Jeder Kritiker wird mundtot gemacht. Mindestens.

Bisher hat es nur ein Präsident gewagt, Ermittlungen gegen seine Person mit einer Entlassung des Ermittlers aus der Welt zu schaffen. Nixon im Jahre 1973. Ein Jahr später war der kein Präsident mehr.

Freitag, 5. Mai 2017

Putin für Le Pen

Propaganda für Le Pen
Und wieder tauchen 'Dokumente' und Emails im Internet auf. Ich habe schon darauf gewartet. Endlich hat Putin seine Bots und Trolle auf den Präsidentschafts-Kandidaten Macron in Frankreich losgelassen, um, wie in Amerika, den Rechtsnationalen zum Sieg gegen die verhasste Demokratie zu verhelfen.
Diesmal unterstützt und finanziert Putin Frau Le Pen und ihre Nationale Front.

Putins Propagandasender RT - 'Russia Today' - lässt zum Thema einen gewissen Alain Soral, einen lupenreinen Nazi, zu Wort kommen. Wundert uns das? Der Ex-Boxer und Antisemit wird als Journalist ausgegeben und darf in einem 'Interview' gegen Macron hetzen. Der vertrete ausschließlich die Interessen der EU und Israels. Beweis: er habe in der Rothschild-Bank gearbeitet. Jüdische Weltverschwörung. Klar. Vielleicht hat Macron ja auch einen Kinderporno-Ring in einer Pizzeria mit Frau Clinton betrieben. Putin lässt sich ja immer die tollsten Sachen einfallen. Hauptsache, Chaos und Verwirrung.
Und, liebe Linke und Verschwörungs-Phantasten, ihr glaubt ja alles.

Diese dummdreisten Lügner, die alle Lügner nennen, die sie Lügner nennen, könnten zum Lachen reizen mit ihrem Kleinkind-Gehabe - wenn sie nicht so gefährliche, skrupellose Menschenfeinde wären. Putin, Trump, Erdogan, Le Pen - wir müssen ihnen entgegentreten, bevor sie uns in den Abgrund reißen. Sonst besteht Europa bald nur noch aus islamistischen Staaten, rechtsnationalistischen Diktaturen, Autokratien und isolationistischen Inseln.

Aber solange selbst 'Linke' noch den Lügen Putins hinterherlaufen, Agenten der Diktatoren in Talkshows zu Wort kommen, Verschwörungs-Anhänger RT-Nachrichten posten, weil sie glauben, das sei die unterdrückte Wahrheit, kommen wir hier keinen Schritt weiter. Noch funktioniert die Destabilisierung.
Aber was erzählen wir unseren Kindern? Wir haben von Nichts gewusst?

NRWIERT

NRWIERT

Der Wahlkampf in NRW ist geprägt von einem Wettlauf. Plakat blöd? Wir können blöder. Nach lustigen Gesichtern (CDU), lustigen Sprüchen (FDP) und lustigen Nazis (AfD) ist die SPD wieder Spitzenreiter (NRWIR) - mit Mutti Kraft. Hashtag Schulzug (Schulz-Zug) hat eine Nachfolge.

Freitag, 7. April 2017

Deutscher Pop - Die Poesie der Werbeindustrie

Ich habe gestern zufällig verpasst den Böhmermann wegzuzappen und ich habe krampfhaft, aber vergeblich versucht, nicht zu lachen. Es ließ sich einfach nicht vermeiden. Thema: die deutsche Pop-Musik.
Nuschelwuschel
Die deutsche Musik-Industrie versucht - mit Hilfe deutscher Wuschelpuschel Pop-Nuscheler, die in Zeitlupe an Fenstern stehen und irgendetwas nöhlen, das mit Mädchen und Sternen zu tun hat - ihren Industrie-Kitsch an den blöden Mann und die doofe Frau zu bringen. In Deutschland ist das ganz einfach. Aber Böhmermann: Neu war das natürlich nicht. Wem ist die Werbeclip-Ästhetik nicht zuwider, wem gehen die Songs, die klingen wie von der Auto- und Bierindustrie gesponsert, die von zwei simplen Tönen totgeritten werden, damit bei den jungen Hörern keine Schweißausbrüche entstehen, und die vollgestopft sind mit Oh-eh-oh-ohs, damit jeder mitsingen kann, nicht auf die Nerven. Und wer findet die Hütchen-Träger, die Tätowierten, die coolen Jungs, die mit Begriffen wie 'Tanzen', 'Menschen' oder 'Leben' an allen Allgemeinplätzen unserer schönen Städte herumlungern, nicht lächerlich. Vielleicht noch die unterbelichteten Teenies, die eine Begleitmusik für ihre Pubertät brauchen und sich damit zum Kauf von allerlei Dummheiten verführen lassen.

Ja, die Teenies glauben sogar, das sei 'Poesie'. Kein Wunder, dass heute jeder Abitur schafft.
Als Parodie hat Böhmermann aus Kalendersprüchen und den bekanntesten Versatzstücken einen Text von fünf Affen zusammensetzen lassen, das alles zu einem Musik-Mus zusammengerührt und in einem typischen Clip mit den typischen Ohs und Eh-Ohs versetzt.

Und schau an: Schon einen Tag später steht diese Parodie auf Platz 1 bei iTunes:
Jim Pandzko featuring Jan Böhmermann mit „Menschen Leben Tanzen Welt“. Original und Fälschung – nicht zu unterscheiden. Gute Nacht und hört recht schön.

Mittwoch, 5. April 2017

Restaurant

Köln. Innenstadt. Wo früher Menschen in Vorfreude in einem offenen Restaurant mit einem Glas Wein auf den Beginn von Oper oder Schauspiel gewartet haben, steht heute eine Abfertigungshalle für Esser neben einer ewigen Baustelle. Das Ausweichquartier des Schauspiels befindet sich in Mühlheim, das Ausweichquartier der Oper in Deutz. Der Innenstadt fehlt jede Kultur.

Ich sehe mich um. Verschiedene Theken, verschiedene Abteilungen. Bei Romeo und Julia gibt es Frozen Yogurt - ist das richtig geschrieben? -
Eine Theke ‚Gutbürgerliche Küche‘, daneben die für ‚Pasta, Salate und Steaks‘ - worin genau besteht da der Unterschied? - Eine Fresshalle für Besserverdienende und solche die es gerne wären. Töpfe klappern. Fahrstuhlmusik. Die Mädchen und die tätowierten Jungs, die sich etwas zurufen, lassen fremde Sprachen hören.

Große Holztische, kleine Hocker mit karamellfarbenem Kunstleder überzogen. Das ganze Event führt in einen Supermarkt.
Ein Blick über die Straße: auf der Hausfassade steht "Kauf dich glücklich" - in eingekasteten Design-Buchstaben. Auf der anderen Seite das 'Dumont Carré'. Das hat nichts mit Literatur zu tun, ist ein Shoppingcenter.
Früher war hier das Pressehaus und gegenüber ein Italiener, wo sich Künstler, Kölner und Journalisten trafen. Leben eben. Heute steht das Pressehaus in Niehl. Ein Glaspalast, aus dem niemand mehr mit Steinen wirft. Kontakt abgerissen. Presse ist auch nicht mehr wichtig.

Samstag, 1. April 2017

Weiter

Das Schauspiel begann. Die Wellen wellten, kicherten, taten harmlos, plätscherten aber kokett, bildeten Kämme, frisierten den Mond, betrachteten ihn dann und lächelten. Die Töchter des Meeres freuten sich mehr und mehr über den Spaß, funkelten und brachen sich im Licht des Mondscheins. Sie wussten um ihre Schönheit.
Der Mond schien über all das einigermaßen ungehalten und zog das ganze Meer zu sich heran - ein Kuss? Die Wellen wehrte sich wild und wechselten ihre Farbe zu Quecksilber.

Der Mond zeigte sein blasses, gleichgültiges Gesicht. Der Liebeskampf begann. Das Meer stieg zu ihm auf und senkte sich wieder, in scheinbarer Unterwerfung. Das Schwein. Der kalte Mond drückte es zu Boden. Ein stetiges Ringen. Amüsiert beobachtete der mächtige Trabant die Fingerspiele des Meeres, das Schäumen der lüsternen Töchter, die über den Sand krochen um sich schließlich zu verlieren. Und er stand über dem Strand und saugte das Salz. Die Haut gespannt, eines seiner Krater-Augen verschleierte sich. Gespannt auch das unsichtbare Herz. Der Kuss, kaum zu spüren. Ein Hauch lag noch lange über dem Horizont. Mit einem nachtblauen Band wurde die Szene verpackt.

Dienstag, 28. März 2017

Es ist schön

Uuuuaaaaaa
Das Wetter. Und heute Nacht wird es klar. Tanzen. Und die ISS ist auch zu sehen. Flieg! Zieh deine Bahn. Über ganz Europa. Leuchte ruhig. Wir sehen dich. Du bist nicht wie die anderen. Sterne funkeln, Flugzeuge blinken, nur du, Raumstation, glühst kalt und beständig. Ein Zuhause, das in der Sonne scheint, über einem himmelblauen, unwirtlichen, fremden Planeten.
Und ich träume Äpfel und Birnen, die umeinander kreisen. Am Tag werden die bereits erregten Bäume mit Grün beworfen. Ruhige, lebendige, grüne Punkte, die im Wind zittern. Früher gab es früher Kroküsse. Jetzt schon vorbei. Früher Schnee. Und Unwetter. Kommen noch. Jetzt sind im gleichen Zeitraum Rekordtemperaturen in Sicht. Und Osterglocken.

Wir wollen Meer und Wein und Fritten. Und Wind und Sonne. In Sicht. Kommt.

Montag, 27. März 2017

Schulzzug ins Nichts

Landtagswahl im Saarland. Die Saarländerinnen und Saarländer haben Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer - und schon ist die Redezeit zu Ende.
Im Ernst: Hohe Wahlbeteiligung und die Bestätigung einer seriösen Frau im Amt, statt eine neue Welle von Wutbürgertum, Chaos und rechtsnationalem Hau-Drauf, sind gute Zeichen.
Der Wunsch nach stabilen Verhältnissen macht auch denen einen Strich durch die Rechnung, deren Wahlkampf aus hohlen Phrasen und Öffnungen bestand. Vor allem eine Öffnung - für neue Bündnisse, für die Macht. Für Rot-Rot. Schiefgegangen. Nicht alle übersehen, dass die SPD keine Linke ist und dass die 'Linke' eben auch keine Linke ist, sondern Sammelbecken für Ostalgiker, Spießer, alte Stasi-Agenten und junge Frauen, die alles nachplappern, was Putin vorplappert. Nur der Lafontaine-Effekt verschaffte der Linkspartei ein zweistelliges Ergebnis.

Und alle hinterher
Und die SPD? Die SPD muss enttäuscht begreifen, dass es doch nicht reicht, eine Rede zu halten und dabei fünfzig Mal 'Gerechtigkeit' zu rufen, um glaubwürdig zu scheinen. Oder gar links. Und die SPD muss verwundert begreifen, dass es doch nicht reicht, einen Hype im Internet zu erfinden - ja gut, ihr habt von Trump gelernt - oder von Putin (vielleicht hat Schröder ja auch geholfen). Ihr müsst leider begreifen, dass es nicht reicht, die übliche Hashtag-Flut über uns hinwegrollen zu lassen, zuzüglich einiger Züge, Schulz-Züge, das führt am Ende nur zu entgleisten Gesichtszügen. Dann gab es noch Computerspiele, Zug-Spiele und zusätzlich haben eure SPD-Trolle Pop-Schulze und Schulz-Heiligenscheine aufleuchten lassen - im Netz - aber was passiert in der wirklichen Welt? Tja. Berlin ist nicht Bonn, Bonn ist nicht Weimar, Deutschland ist nicht Amerika, Amerika ist nicht Saarbrücken und Saarbrücken ist nicht Berlin... Aber: Hier! Hallo! Schulz-Effekt! Und alle Medien hinterher. Da verliert man schon mal den Überblick und den Blick auf die Wirklichkeit.
Na gut - der sich ständig potenzierende Wettlauf um das nächste Event, die nächste Schlagzeile, die zunehmende Infantilisierung der Politik, haben euch verführt zu glauben, dass der bärtige Mann mit dem Sprachfehler schon Kanzler ist. Selbst seriöse Medien laufen heute jedem Hype hinterher. Dem Hashtag-Populismus wird kaum noch kritische Berichterstattung entgegengesetzt. Kostet zuviel Zeit. Dumme Sache. So hängt der digitale Himmel voller Heißluftballons. Es sind schon so viele, dass sich die Sonne verdunkelt. Das kann dem Geisteszustand eines SPD-Parteitags nicht passieren. Wie vernebelt die Delegierten da herumlaufen und blöde um die Wette lächeln, dieser Zustand spiegelt sich genau in den 100% für den neuen Vorsitzenden... Das spiegelt den Zustand einer Partei, in der alle ohne Diskussion einem Messias hinterherlaufen, nur weil sie den alten los sind. Zu einer Zeit, in der es noch um Inhalte ging, waren ehrliche 80% für Brandt noch Ausdruck einer Auseinandersetzung. Heute wird ein Image verkauft. 100% für Nichts. Und alle hinterher.

Und es gibt wahrhaft Wichtiges. Während in der Türkei oder in Russland Menschen verhaftet werden, oder gar um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie sich offen und kritisch äußern, müssen wir uns nach der Wahl in der 'Elefantenrunde' wieder zuquatschen lassen und die Wiederholung von Satz-Schablonen aus dem Wahlkampf ertragen. Kein Wunder, dass immer mehr Leute die Nase voll haben.

Noch etwas. Am Wahltag im Saarland gingen in weit über zwanzig russischen Städten massenhaft Menschen auf die Straße um gegen die herrschende Klasse, die korrupte Putin-Medwedjew-Klique zu protestieren. Ein gutes Zeichen.

Mittwoch, 22. März 2017

Lügen haben kurze Beine

Er lügt und lügt und lügt, verbreitet Falschmeldungen, verbreitet FAKE NEWS, schlägt um sich, geht auf alle los, die ihm an den Kragen wollen, diese Volksverräter, die ihn los werden möchten, diese Weicheier, die ihn unbedingt kritisieren müssen, die seine Lügen gar widerlegen wollen, oder einfach versuchen, Fakten - Haha - Fakten ans Licht zu bringen. FAKE gegen Fakten. Fakten, die Trump immer wieder versucht unter einem Haufen von FAKE NEWS zu begraben. Trump ist Trump. Er ist das Volk. Er lügt und lügt und lügt. Durch sein Dauerfeuer auf Sehende, Hörende und Sprechende stiftet er erst einmal Verwirrung. Sehen wir überhaupt? Nur er sieht klar: Wir brauchen keine Sehenden. Die Hörenden werden taub geprügelt, die Sprechenden zum Schweigen gebracht. Eine FAKE Welt muss entstehen, in der nichts mehr ist wie es scheint und nichts mehr scheint wie es ist. Je mehr wir mit FAKE NEWS über FAKE NEWS bombardiert werden, desto mehr scheint alles Lüge. Komplettes Desaster. Jeder gegen jede, das ganze Land umringt von Feinden und Verrätern. Nur einer bleibt übrig. Krieg gegen alle Feinde, Krieg gegen die Eliten, gegen die Presse, gegen die Juden, die Schwarzen, Mexikaner, Frauen, Behinderte... Trump versucht mit seinen Tweets auch die Organe der Demokratie zu diskreditieren, um sie schließlich abschaffen zu können. - Sie werden die Macht nicht freiwillig abgeben - warnt sein engster Berater, ein lupenreiner Nazi. Breitbart-Bannon. Seine Mannschaft besteht aus Rassisten, Antisemiten, Anti-Demokraten und Verschwörungstheoretikern. Und die haben mächtige Freunde.

Putin, von gleichem Schlage, half Trump schon früh während dessen Wahlkampfes mit einer Flut von Propaganda und Falschmeldungen (Clinton betreibt Kinder-Porno-Ring in einer Pizzeria), Falschmeldungen, deren Herkunft und Verbreitung durch Putins Computer-Bots und Auftrags-Trolle zurückverfolgt werden konnte und verfolgt wurde. In einer Anhörung kam heraus: Das FBI untersucht nun offiziell auf welche Weise Trumps Wahlkampf-Mannschaft mit Putins Kampagne zusammengearbeitet hat. Nicht 'ob', wie Trump erneut lügt, sondern auf welche Weise. Natürlich wurde die Anhörung ununterbrochen unterbrochen von Tweets des Psychopathen im Weißen Haus. Natürlich drehte Trump den Spieß erst einmal um, Obama habe ihn abgehört. Kein Hinweis, sagt das FBI. Es folgten wütende Tweets, man solle sich lieber um diejenigen kümmern, die Informationen verraten.

Der Ton wird lauter und nervöser. Je nachdem wie gravierend, wie eng sich die Kooperation mit Russland zeigt, könnte ernsthaft ein Amtsenthebungsverfahren diesem rechtsnationalen Präsidenten doch noch das Handwerk legen.

Übrigens ist dieser Präsident natürlich gegen Kulturförderung. Er schafft sie ab. Trump will staatliche Zuwendungen in Höhe von rund 300 Millionen Dollar im Jahr streichen. Außerdem soll niemand mehr Spenden für das Kulturleben steuerlich absetzen können. Auch dieses Prinzip eines liberalen, kunstfreundlichen Amerikas soll untergehen. Wie die Demokratie.

Sonntag, 12. März 2017

Metzger machen Wahlkampf und Kälber wählen ihren Metzger

Der Metzger
Der Metzger hat die Nase voll. Das freie Herumlaufen auf der Wiese, das ständige quaken, bellen und fauchen - und das Ganze ohne Zaun, das ist kein Leben, donnert er. Ihr müsst glauben und beten und gehorchen.
Wer das nicht glaubt, wird angekettet oder sofort geschlachtet.

Määähh! Schreien die Kälber und lassen sich festbinden. Schnell ist auch ein Zaun gebaut. Das Gefühl von Geschlossenheit stellt sich ein. Im Stall riecht es nach Ehre und in der Luft schlagen die Krähen Haken. Ja. Der Metzger soll ihr Präsident werden - ohne Muh und Mäh, ohne Parlament und Kabinett, auch ohne Lachmöwen, die nur herumfliegen und Lügen verbreiten. Metzger wissen was zu tun ist.

Den freien Vögeln, wilden Hamstern, stolzen Schwänen, selbstständigen Katzen und friedliebenden Schafen jenseits des Zauns geht es noch ziemlich gut. Und auch den Kälbern, die mit ihnen leben. Die Gehilfen des Metzgers wollen auch bei ihnen Stimmen für den Metzger sammeln.

Ein Hamster baut sich auf und ruft: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!
Das kommt dem Metzger zu Ohren und er droht: Dafür werdet ihr einen Preis bezahlen! Ihr seid Faschisten!

Katzen und Schafe schauen sich erst verwundert an und können dann ein lautes Gelächter nicht mehr unterdrücken. Die Lachmöwen schlagen Salto in der Luft und tragen es in die Welt.
Das hört der Metzger und tobt: Nazi Methoden. Ihr habt nicht die geringste Ahnung von der Natur. Ihr seid alle Nazis, ihr Schweine.
Määäähhhh, schreien die Kälber im Stall zustimmend und rufen: "Todesstrafe!"

Der Metzger ist zufrieden und lässt zum Dank sofort noch ein paar dutzend Kälber schlachten.

Mittwoch, 8. März 2017

Kinderfernsehen in Deutschland - Die goldene Kamera 2017

Seit Jahren feiert sich das deutsche Fernsehen mit den Höhepunkten deutscher Witzigkeit in Preisverleihungen. Bambi oder Kamera. Höhepunkte aller Höhepunkte der Fernsehgeschichte eines Jahres. Dieses Jahr allerdings erreichte die ‚Kamera’ einen neuen Gipfel. Hier wurde nichts ausgelassen. Dass amerikanische Stars hier für die seriösen Beiträge verantwortlich waren, sagt schon einiges.

Seriöse Momente, ein zusammenhängender Gedanke, der auch im Zusammenhang belassen wird, das ist im Fernsehen immer schwerer zu finden, selbst aus den Haupt-Nachrichten werden wir heutzutage
bombardiert mit Bildsplittern, Fünf-Sekunden-Interviews und all den dummen Gesichtern von der Straße, die vor eine Kamera gezerrt werden müssen - von wegen Volkes Stimme - damit diese 'Experten' zu allen Probleme dieser Welt im O-Ton und auf sächsisch das Wort "unfassbar" absondern dürfen, oder ihre dummen Sätze mit dem großen "ABER" (Ich hab ja nichts gegen... ABER) und dabei qualvoll versuchen, wenigstens einen Satz unfallfrei ins Mikrophon zu blubbern. Wieso müssen wir das eigentlich ertragen? Und wenn keine Einspieler von der Straße kommen, dann bekommen wir die Tweets und Posts der Dummbeutel mit Sicherheit vorgelesen. In einer Nachrichtensendung! Und zwischen all dem quillt der unvermeidliche Dämmstoff von Schmunzel- und Witzigkeitseffekten. Allüberall: Boulevard! Bild macht dumm ist lange her.

Cool und jung
Je später der Abend, desto bunter die Mischung, die von Moderatoren, denen es übrigens auch immer schwerer fällt zwischen Dativ und Genitiv zu unterscheiden, aber wem stört das noch, also die von Moderatoren in einem Ton serviert wird, als befänden wir uns im Kindergarten und man müsse uns die Welt ganz einfach, in großen Lettern und Bildern aber hopphopphopp und eins zwei drei erklären. Ob ihr richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht. Es geht aber kein Licht mehr an. Keine Birne, keine Zeit zum Nachdenken. Motto: Holt die Leute da ab, wo sie sich befinden. Also steigen wir weiter hinab, ins Dunkle, Stufe um Stufe. Mittlerweile fängt es schon an zu riechen. Die braune Sickergrube ist in Reichweite.

Die Kinder-Spätnachrichten heißen heute Plus oder X-tra oder X-press und werden, im Gegensatz zu den Moderatorinnen des frühen Abends, die brav ihre Pferdeschwänzchen links- oder rechts auf dem Blazer ablegen, jetzt von hippen Kurzhaar-Frisuren, oder offenen Blüschen und offenen Haaren rechts auf dem Blüschen, präsentiert, die als erstes natürlich gar nicht wissen, wie X-press ausgesprochen wird. Das ist das Problem, wenn keiner mehr weiß ob amerikanisch oder deutsch oder hip oder hopp. Egal. Hauptsache es klingt zeitgenössisch. Xtra dot com. Wieso ausgerechnet der Kanal für die Zuschauer, die erst ihren Arzt oder Apotheker fragen müssen, hip sein will, bleibt rätselhaft. Wahrscheinlich weil man ab 23 Uhr die Alten im Bett wähnt. Dabei sind es heute die Studenten.

Also zurück zu den gänzlich Ausdruckslosen, die zu später Stunde noch zuschauen, weil ihnen die Energie fehlt zum Computer zu kriechen. Bleibt sitzen. Seht hin. Ihr könnt es verstehen. Denn zu jedem Bericht werden nicht nur witzige, ironisch klingende Sprechblasen abgesondert, sondern auch Bildchen, Sprechblasen und lustige Animationen eingeblendet. Und die Sprech-Blasen bewegen sich mit dem Gesicht des Sprechenden zu jeder kleinsten Bewegung mit, die Sätze des Sprechenden werden dazu - Blitz Blitz - zerhackt, während drei Hauptworte der Kurzsätze in der Sprechblase zu sehen sind. So versteht ihr. Nur ich verstehe nichts mehr. Weil ich mich lautstark über diese Dummheiten aufrege und so weder zuhören kann noch zum lesen komme.
Früher gab es ‚Logo‘ - Nachrichten für Kinder, heute sind alle Nachrichten X-tra Logo. Und der spöttisch-witzige Ton wird noch tantenhafter, wenn es um Kultur geht. Zum Schluss. Mit Schmunzeln. Da flippe ich aus. Früher...

3nach9 1976
Früher, in den alten Fernsehzeiten, war alles - auch nicht anders. NDR 'Classics' hat mir geholfen mich zu erinnern: 3 nach 9. Zum Beispiel der Moderator, der sich intellektuell geben will und eine halbe Stunde lang eine Frage in den Raum zu stellen versucht, die er mit bedeutungsschwangeren Denk- und Formulierungspausen noch mehr in die Länge zieht, um die Antwort des Gastes nach einem Halbsatz zu unterbrechen, um 'nachhaken' zu können. So geht es also auch. Die Sprechblasen sind nur mit noch mehr Luft gefüllt. Und mit Zigarettenrauch. Während der Gast, zum Beispiel ein österreichischer Hähnchen-Unternehmer, zwischen diesen Dunstglocken in die Mangel genommen und sozialdemokratisch-kritisch auf fehlende Mitbestimmung angesprochen wird, kommt 'Witzigkeit' ins Spiel. Eine dicke Frau wird gezeigt, Nahaufnahme, die immer wieder zwischen das Gespräch geschnitten wird. Die dicke Frau sitzt, lustig-ernst im Hintergrund und frisst ein Hähnchen, so, dass ihr das weiße Faserfleisch zu den fettverschmierten Mundwinkeln heraushängen kann. Wahnsinnig kritisch und wahnsinnig witzig. Heute werden aus solchen Zutaten ganze Theaterinszenierungen gemacht.

Aber zurück zur Feier des Fernsehens. Die ‚Kamera’ 2017.
Ich musste schon befürchten, dass wegen Erdo-Wahn der Grimassenschneider Böhmermann eine Kamera bekommen würde. Der Preis ging aber Gott sei dank an die 'heute show'. Gerade noch davon gekommen. Trotzdem zu früh gefreut. Denn die Lümmel von der letzten Bank beherrschen heute nicht nur die Millionen Kabarettsendungen...

Jane Fonda, ausgezeichnet für ihr Lebenswerk, freut sich über drei Preise für drei Nachrichtensendungen - in Deutschland dürfen also schon drei Sender die Wahrheit sagen. Seitenhieb gegen Trump. Wow! Schmunzelhöhepunkt und Applaus. Sie ist aber noch nicht fertig: "Die ersten Schritte der Faschisten sind die Freiheit der Presse anzugreifen.“
Wow! Erst Barbarella, dann Aerobic und jetzt ein Aufruf zum Kampf!
Allerdings ist das Wort ‚Faschisten‘ in der deutschen Simultanübersetzung nicht zu hören. Kein Schmunzel-Faktor.

Witzigkeit bis zum Abwinken 
Nach Verzückungshysterie im Angesicht amerikanischer Stars, durch den bärtigen Moderator Marke Abenteuer-Doku, ist dann aber endlich wieder die bekannte deutsche Witzigkeit angesagt.
Annette Frier und ein anderer Typ mit Bart schneiden Witzigkeits-Gesichter, um darauf aufmerksam zu machen, dass es jetzt wirklich ernst-witzig werden wird, so wie es in der Ära Böhmermann üblich geworden ist. Aber sie grimassieren nicht nur, sie führen auf der Bühne tatsächlich einen Tanz auf, einen witzigen Tanz, einen Hottentotten-, oder Woodoo- oder einfach Urwald-Tanz. Ugga Ugga Ugga - dazu greift sich Annette an die Titten und drückt sie - „beste Schauspielerin“, röhren beide mit Urwald-Stimmen, der bärtige Typ steckt in einem riesigen, goldenen Briefumschlag-Kostüm und tanzt mit, spätestens jetzt kennt die Witzigkeit keine Grenzen mehr.

Einer der amerikanischen Stars kann sich nun nicht mehr zurückhalten und macht den ‚Scheibenwischer‘ - andere schauen sich entgeistert an. Komplett bescheuert, diese Deutschen.
Auch den deutschen Berühmtheiten stehen jetzt die Münder weit offen. So etwas Lustiges haben sie schon lange nicht mehr gesehen. Jetzt fehlt nur noch Barbara Schöneberger oder ein Auftritt von Roberto Blanco oder Howard Carpendale oder von noch einem Witzigkeits-Experten aus der Abteilung Abitur-Gag, der vielleicht als Doppelgänger eines amerikanischen Stars erscheinen und seinen Preis den Abiturienten Joko und Klaas widmen wird. Keine Sorge, das kam alles auch noch. Alles. Gnadenlos. Wirklich uns wahrhaftig.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Gefahr?

"Aus der Tatsache der Trumpschen Präsidentschaft irgendwelche Sensation zu machen, halte ich für kindisch genug, um es seinen getreuen Anhängern zu überlassen". So denken viele, die etwas von der amerikanischen Demokratie halten und von der Stärke ihrer Institutionen - und Trump für einen lächerlichen Clown.

In Deutschland dachten Intellektuelle, Juden, die Presse, die Demokraten, dass ein Kulturvolk wie das deutsche, einen Proleten und Schreihals wie Hitler nicht lange dulden würde. Viele prophezeiten ihm einen schnellen Abgang.
Aber dann: Seine Kritiker wurden verfolgt, die freie Presse verboten, Gegner verprügelt und ermordet. Das Parlament wurde gleichgeschaltet, die Opposition und unliebsame Journalisten verhaftet, die Synagogen brannten - und das Kulturvolk ließ es geschehen.

Hitler versprach Deutschland wieder groß zu machen (to make Germany great again). Über allem stand der Leitsatz: Deutschland Deutschland über alles (Germany first).
Hitler wurde gewählt und er verwandelte Deutschland im Handumdrehen in eine Diktatur. Hitler tat genau das, was er vorher angekündigt hatte.

"Aus der Tatsache der Hitlerschen Kanzlerschaft irgendwelche Sensation zu machen, halte ich für kindisch genug, um es seinen getreuen Anhängern zu überlassen". Das schrieb Nikolaus Sieveking, ein Angestellter im Weltwirtschafts-Archiv, am 30. Januar 1933 in sein Tagebuch.

Montag, 23. Januar 2017

Die Gestörten ergreifen die Macht

In Wikipedia finden wir die Beschreibung des neuen Präsidenten der USA. Unter dem Begriff ‚narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS)' wird eine Person charakterisiert, die "unmäßig stark damit beschäftigt ist, anderen zu imponieren, … aber kein zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen besitzt…"
Die Störung zeige sich "durch … eine im Inneren chronisch schwelende Wut, die schon bei geringem Anlass (v. a. bei Kritik) explodieren kann."

Und weiter: "Pathologischer Narzissmus kann sich durch Prahlen und Hochstapelei ebenso äußern wie durch unersättliche Ansprüche und Erwartungen. Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung neigen dazu, Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld – besonders Sexualpartner und Kinder – emotional zu missbrauchen, um ihr labiles Ego zu stabilisieren.“

Nur diesmal hat er es nicht nur mit seiner Puppe, mit Sexualpartnern oder Kindern, mit Familie, seinem Stab oder Beraterstab zu tun, sondern mit einem ganzen Volk - mit der ganzen Welt - mit dem ganzen Universum, das er durch sein kleines Wurmloch ganz in ein Paralleluniversum ziehen will. In unserem Universum waren noch nie so wenige Menschen bei einer Amtseinführung. In Trumps Parallel-Universum war es genau umgekehrt. Noch nie bejubelten so viele eine Machtergreifung.

Das Schlimmste aber ist, dass wir ununterbrochen gezwungen sind über Äußerungen und Taten von Gestörten diskutieren zu müssen, weil die zum Beispiel zu Präsidenten gewählt werden, die dann genau das wirre und faschistische Zeug ihrer Kurzmitteilungen in die Tat umsetzen wollen. Äußerungen und Taten, von denen jede einzelne in früheren Zeiten immense Skandale ausgelöst hätten. Haben wir uns schon so an den täglichen Rassismus, den täglichen Hass, den täglichen Wahn gewöhnt, weil unsere Zeit schon übermäßig von Gestörten beherrscht wird?

Die Welt steht auf dem Kopf. Der Dieb schreit ‚Haltet den Dieb‘, der Lügner ‚Lügenpresse‘, Faschisten zeigen mit dem Finger auf Demokraten und brüllen 'Faschisten' und alle kreischen ‚Volksverräter‘, wenn man ihnen auf die Schliche kommt. Wer ihren Verdrehungen nicht folgen will, wird als verdreht gebrandmarkt, wer die Unterdrückung der Meinungsfreiheit kritisiert, wird mundtot gemacht oder gleich eingesperrt. Wer das öffentlich macht, wird der Lüge bezichtigt - und so fort. Wir befinden uns mitten in einer Welt des Wahns. Die neue Zeit ist geladen wie eine Pistole - mit Twitter-Hashtags, Fake-News und Begriffen aus der Nazi-Diktatur. Die Wahnsinnigen bauen Roboter, die ihren Wahn teilen und damit die Daten-Bahnen verstopfen, die Straßen Ost-Deutschlands oder die digitalen Netze und von dort aus allen Rohren feuern. In früheren Zeiten sind Gestörte von Ärzten behandelt worden, heute finden wir sie an der Spitze von Nationalstaaten. Ungarn, Polen, Russland, Türkei - Ende nicht in Sicht.

Jetzt also die USA. Schauspielerin Meryl Streep hat bei einer Preisverleihung sehr persönliche Worte gefunden. Es habe ihr das Herz zerrissen, sehen zu müssen, wie ein Mann, der zum mächtigsten Mann des Landes gewählt werden will, einen behinderten Journalisten auf widerliche und respektlose Weise öffentlich nachgeäfft habe. Die Folgen? Unabsehbar.
Den Schwächeren schlagen und über ihn lachen. Verachtung. Respektlosigkeit löst Respektlosigkeit aus. Macht darf alles. Ich darf jeder Frau zwischen die Beine greifen, weil ich es kann, weil ich Macht habe. Ich könnte jemanden erschießen, niemand würde mich verhaften. Auf einer Wahlkampf-Versammlung lässt der zukünftige Präsident einen Zwischenrufer hinauswerfen und fordert den Saal auf: „Schlagt ihn zusammen, ich zahle den Anwalt“.

Ich habe es schon geahnt, dass genug wütende, gestörte, hasserfüllte und dumme Menschen geben würde, um einen der Ihren tatsächlich in das höchste Amt zu bringen.
Jetzt gibt es ein böses Erwachen. Jetzt sind die Straßen in Washington schwarz von Menschen, die sich wehren wollen. Immerhin. Endlich. Und zur Amtseinführung geht Frau Merkel in eine Ausstellungseröffnung. Gut gemacht. Und sie ist nicht die einzige, die fehlte, zumindest in unserem Universum.

„Eine im Inneren chronisch schwelende Wut, die schon bei geringem Anlass explodieren kann“ lässt ihn toben. Alles Lüge. Die Medien lügen. Er spricht von Betrügern, er will einen ‚Krieg gegen die Medien‘ führen. „Sie werden einen Preis dafür zahlen“, droht er. Seine Beraterin Kellyanne Conway, mit den Fakten konfrontiert, spricht von „alternativen Fakten“. Der Journalist ist mutig und hält ihr vor, ‚alternative Fakten‘ seien keine Fakten sondern Lügen.
Ich bin gespannt, was noch kommt: Gedehnte Wahrheit, Szenen aus dem Wurmloch...

Der Ursprung dieses Realitätsverlustes ist die Konstruktion einer geschlossenen Schein-Realität, wie wir sie von Verschwörungstheoretikern kennen, eine Wahrnehmungsstörung aus der geschlossenen Anstalt, die auf Fakten mit Tobsuchtsanfällen reagieren - unter Freud hieß diese Störung noch „Größenwahn“ und bei den frühen Christen wurde sie als Sünde des Hochmuts und der Ruhmsucht verurteilt. Wir können nur hoffen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Samstag, 21. Januar 2017

Für einen Verbotsantrag gegen die AfD

Die NPD wird nicht verboten. Wir müssen sie aushalten. Sie ist keine Gefahr für unsere Demokratie.

Was aber ist mit den Lügenpresse- und Volksverräter-Schreihälsen, den Holocaust-Leugnern, den Brandstiftern, wohin sind sie verschwunden? Gibt es eine neue Nazi-Partei, die wir nicht aushalten sondern aufhalten müssen? Ja. Ich plädiere für einen Verbotsantrag gegen die AfD. Ein Verbot dieser neuen Nazi-Partei ist sinnvoll und überfällig. Würde uns auch deren dummes Geschwätz in allen Talkshows ersparen. Und trifft gleichzeitig auch die NPD, die sich längst der AfD bemächtigt hat. Eine Partei, die menschenfeindliche Demonstrationen anführt, die der Gewalt gegen Flüchtlinge Beifall zollt, die Journalisten beschimpft, von der Berichterstattung ausschließt und attackiert (Vorbilder Trump, Putin, Erdogan), deren Führer lügen, dass sich die Balken biegen (Vorbilder Trump, Putin, Erdogan), aber in jeder Talkshow das alles immer wieder langatmig dementieren dürfen. Immer dasselbe Muster. Hass, Gewalt und im Anschluss das Leugnen von Hass und Gewalt. Kein Wort ist wahr, aber jeder Gegner wird der Lüge bezichtigt, denn immer ist alles aus dem Zusammenhang gerissen, oder falsch verstanden (Vorbilder Trump, Putin, Erdogan).

Fazit: An Gesagtem oder Geschriebenen kann sich bei der AfD niemand orientieren, also schauen wir einfach genauer hin: Gerade in unseren Zeiten zählen die Fakten, trotz aller Bemühungen sie in ein Netz von Lügen einzuspinnen, durch eine Lawine von Falschmeldungen zu relativieren oder unter Hashtags zu begraben. Fakten, Fakten, Fakten: Vergiftung, Hass, Billigung von Gewalt, Rassismus. Bündnisse mit Diktatoren, mit Nazi-Organisationen, Rechts-Nationalen, Demokratie-Feinden. Unter ihren Führern (Beispiel Höcke: Holocaust Mahnmal in Berlin sein ein "Denkmal der Schande") lupenreine Nazis, ihre Abgeordneten lupenreine Nazis, diese Nazis werden auch nicht ausgeschlossen, nein, sie ergreifen die Macht. Soviel zur Lüge 'Besorgte Bürger'. Und die 'Bewegung' richtet Ende Januar einen Kongress in Koblenz aus zum Schulterschluss mit den Rechts-Nationalen Europas (Le Pen, Wilders). Kurz: Die AfD ist nicht nur verfassungsfeindlich, sie ist auch eine reale Bedrohung (ein wichtiger Faktor für ein Verbot, sagt das Verfassungsgericht). Die Zeit drängt: Verbot der Partei der neuen ‚Bewegung‘, bevor es zu spät ist. Wo ich das hernehme? Meine Quelle ist die Lügenpresse, außerdem gibt es die BRD gar nicht. Und übrigens: Die letzte Bemerkung ist ironisch gemeint. Aber nur die letzte.

Dienstag, 3. Januar 2017

Köln und der Rest der Welt - Welt der Verkehrungen

"Das Internet unterstützt genau was ich denke", meint eine Frau auf der Straße. Genau. Die Frau denkt, das Internet...
"Lügenpresse", schreit die Frau. Die Presse lügt und im Netz der Lügen wird alles zur Wahrheit.
Denn ich glaube was ich glaube und das Netz glaubt mit. Trump wird zum Wahrheitsverkünder und Putin zum Menschenfreund. Woher weißt du das? Was sind deine Quellen? Nein, er hat kein Land annektiert, er lässt niemanden umbringen, er lässt keine Krankenhäuser bombardieren, jeder darf seine Meinung sagen, von Mordbanden hat er nie etwas gehört, geschweige denn sie beauftragt, Sportler werden nicht gedopt - und als lupenreiner Demokrat unterstützt er natürlich auch nicht Le Pen, die AfD, den Brexit... von wem die Rede ist? Von Trump, denn der Westen war immer schon...

Wieder ein furchtbarer Anschlag - diesmal in der Türkei. Der Diktator weiß nicht so Recht - auf jeden Fall Razzien, Verhaftungen, alle Gegner eliminieren, aber andererseits - die Terroristen haben an einem unislamischen Feiertag in einer Disko Ungläubige erschossen. Immerhin...

Und zu Silvester kommen erneut und pünktlich über tausend Intensivtäter nach Köln. Diesmal werden sie von der Polizei aufgehalten, überprüft und aus dem Verkehr gezogen. Sie werden wiederkommen. Denn bestraft wird hier kaum jemand... Wir diskutieren lieber über Begriffe.

Frau Peter (Grüne), die so gerne von unbekleideten jungen Männern spricht (weil sie 'unbegleitet' nicht aussprechen kann) verurteilt nicht diese Tatsache, sondern die Verwendung des Begriffs 'nordafrikanische Intensivtäter'. Schlimm. Oder ist die Abkürzung schlimm? Nafris? Nach Gorbi, Nazi, Grexit, Brexit und IHDL die nächste Provokation (Lol). Kritik an den Verhältnissen, den Übergriffen? Kritik an der Kürzel-Krankheit, der verdammten Twitterei? Nein. Die verengte Weltsicht auf 140 Zeichen entspricht auch bei Frau Peter ihrem Horizont. Und schon diskutiert niemand mehr über die verhinderte Gewalt (endlich hat die Polizei die Feiernden, die Frauen wirklich geschützt), sondern über die verkehrten und verschlungenen Hirnwindungen einer Grünen.

Achtung! Dieser Eintrag (Post) enthält ironische Formulierungen. Der Wahrheitsgehalt liegt unter 90%

Mittwoch, 16. November 2016

Trump - Lügenpresse - Mario Barth

Hashtags zeigen auf wunderbare Weise wie unsere Welt funktioniert. Die meisten Hashtags zeigen, was zusammengehört. Die neusten Hashtags - #Trump, #Lügenpresse, #Mario Barth. Schau an. Stimmt.
#Goebbels, #Olympiastadion, #Mario Barth - hatten wir auch schon. Trump und Barth haben gemeinsam, dass sie komische Figuren sind. Und sie werden finanziert von der gleichen Bagage und bejubelt vom Pack.

Barth, Angestellter des Schrei- und Kreisch-Senders RTL, "deckt auf", stellt sich in New York vor den Trump-Tower  - in einer abgesperrten Straße, wegen einer Parade in der Nähe - und macht sich in dieser abgesperrten Straße lustig über nicht-existierende Proteste gegen Trump. Na also. Noch ein Beweis für Lügenpresse - eine Lügenpresse, die von Protesten berichtet, die es natürlich nicht gibt. Wirklich nicht? Fakten? Egal. Lieber nicht. Wieder einmal eine Verschwörung aufgedeckt. 1,5 Millionen sehen sich das Barth-Video auf Facebook an. Und dann: Teilen Teilen Teilen. Ein Kommentar im 'Netz': "Beweise für unsere Lügenpresse…Du bist einfach geil, Mario :-)"

Da staunt der Troll und der Hashtag-Bot wundert sich.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Terror - Das TV-Event - Sie stimmen ab!

Alle Theater spielen es, das Publikum ist begeistert. Und jetzt noch das Fernsehen. Doku-Drama vom Feinsten! Fakten? Egal.
Auf Emotionen kommt es an. Der Fernsehfilm über einen Kampfpiloten, der befehlswidrig ein von Terroristen gekapertes Flugzeug abschießt, um Menschen in einem Stadion zu retten, sollte berühren. Der Erregungs-Bürger war einmal mehr gefragt. Das Netz schäumte. Und noch eine Volksbefragung. Alles gut.

Was wurde gezeigt? Der Pilot kam im Film für den Abschuss vor Gericht. In der Verhandlung wurden dann Moral, Kant, Schuld oder Notstand lustig durcheinandergewürfelt und alle Beteiligten machten ernste Gesichter dazu. Keine Rolle spielte, dass in dieser Frage die Gesetzeslage geklärt ist. Davon war nicht die Rede. Mich hätte tatsächlich interessiert, ob rein rechtlich und unter welchen Umständen ein Freispruch möglich gewesen wäre.
Aber dazu wäre Differenzierung nötig gewesen. Wenn allerdings ein solcher Fernsehfilm nur noch auf dem Niveau einer Show, in der zwischen A oder B gewählt werden darf, funktionieren soll, bleibt nichts übrig als den Publikums-Joker zu ziehen. Und das ist immer gefährlich.

Überhaupt - Differenzierung gerät aus der Mode. Fakten sind unerheblich, das Recht - zu kompliziert. Man muss die Zuschauer da 'abholen' wo sie sich befinden - auf Herzkino-Niveau. Graustufen kommen nicht vor,  spielen keine Rolle - der mediale Zirkus ist wichtiger. Die deutschen Theater sind froh, dass sie wieder 'echtes Leben' auf die Bühne bringen können, natürlich mit Zuschauerbeteiligung. Das eigentliche Ziel: Volkes Stimme aufrufen. Nach der Abstimmung - Freispruch - steht die Frage: Wo kommen wir hin? Obwohl, nach Twitter-Terror, Pegida-Hass, Internet-Wahn und der üblichen Dummheit, war wohl auch das Ergebnis dieser Abstimmung nur voraussehbar. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass die Mehrheit so groß sein würde - noch ein Anschlag und wir landen bei 99% - ich hätte auch nicht gedacht, dass unsere Werte von Recht und Gesetz offenbar nicht mehr als gegeben, als selbstverständlich gesehen werden. Härte gegen Terroristen. Um jeden Preis. Auch wenn gegen alle Rechtsprinzipien Menschen in einem Flugzeug sterben müssen. Das will der Pegida- und Sturm-Der-Liebe-Zuschauer.

Dieses 'Event' ist ein Kapitel mehr in dem Schauerroman ‚Deutschland wird völkisch‘, ein Kapitel, das zeigt, wie unsere Erregungs- Netz- und Wut-Unkultur mehr und mehr Vernunft, Verfassung, Recht und andere Kleinigkeiten in die Tonne treten hilft. Es geht nur noch um Reflexe und Emotionen. Im Theater ging die Abstimmung regelmäßig zu 60% für den Angeklagten aus. Nach den jüngsten Anschlägen wurden es schnell 70% und das ‚Volk’ vor dem Fernseher ist schon jetzt bei über 80%. Recht - steh uns bei! Sonst wird das Volk schon bald zur Abwendung von Terror, Folter und Todesstrafe befürworten.

Thomas Fischer (Bundesrichter in Karlsruhe) schreibt in der ZEIT: "Weil das Stück von Schirach die Unterscheidung zwischen Unrecht und Schuld fast vollständig unterschlägt, unterschlägt es auch die Tatsache, dass die Lösung des Dilemmas keineswegs nur 'jenseits des Rechts', also irgendwo im Reich der höchstpersönlichen, beliebig 'abstimmbaren' Moral gefunden werden kann, sondern dass es gerade das Recht ist (und sein muss), das sich die am weitesten gehenden und überzeugendsten Gedanken zu solchen Problemen gemacht hat.

... Die freudetrunkenen Abstimmungsregisseure der Stadttheater und Staatsschauspiele interessiert das nicht. Sie lassen die an der Nase herumgeführten Bürger durch die Türen hinaus und herein spazieren oder Karten hochheben, auf dass die Kunst sich einmal wieder verbinde mit dem ganz wirklichen echten Leben, so wie einst.
...
Das ist die größtmögliche Verarschung des Publikums. Wer Unrecht und Schuld in eins setzt, fällt um Jahrhunderte (!) hinter unsere Rechtskultur zurück und benutzt seine Zuschauer als Gaudi-Gäste für eine Rechtsshow der billigen Sorte."

Samstag, 23. Juli 2016

Bang, Bang - Bang! Die ganze Menschheit hinterher

Schüsse in München.
Acht Stunden Fernseh-Live-Show. Endlosschleifen von rennenden Polizisten, rennenden Menschen in kurzen Hosen (Kommentar: "Die Menschen haben Angst"). Umschalten zu Reportern, die in der Gegend stehen und nicht zu sagen wissen. "Wir wissen noch nichts. Da steht seit Stunden eine Frau, die wird nicht abgeholt."
'Tweets' sind die Informationsquelle. Und Postings und Handy-Videos. Und Spekulationen.
Ein Reporter berichtet, dass die Polizei twittert, bitte keine Aufnahmen vom Polizeieinsatz zu twittern und lässt ein Foto vom Polizeieinsatz einblenden.
Man solle auf die Angehörigen Rücksicht nehmen - im Netz sind die Handy-Videos zu sehen von Sterbenden, von sich windenden Körpern auf der Straße.

Eine Frau raucht und erzählt: "Wir waren bei McDonalds essen - wollten was essen...
Die ganzen Mitarbeiter sind erstmal rausgerannt. Und dann - die ganze Menschheit hinterher.
Man hat drei Schüsse gehört. Bang, Bang (Pause) Bang."
Auf einem Video sieht man einen jungen Mann, der um sich schießt, eine ganze Reihe von Schüssen ist zu hören.

Noch ein Video. Der Amokläufer auf dem Dach.
"Ich bin Deutscher!"
"Ein Wichser bist du!"
"Hier geboren worden, in der Harz IV Gegend."
"Wichser!"
Der Wichser schießt um sich.

Die AfD postet: "Wann macht Frau Merkel die Grenzen dicht?"
Der IS postet Anschlag in München - Fotos werden gepostet von Blutspuren in einer U-Bahn-Station - die Fotos sind gefälscht oder aus einer anderen Stadt oder von Polizeiübungen. Egal.
Münchnerinnen und Münchner berichten von Komplizen, von Geiselnahmen, von Schießereien in der Innenstadt, eine Zeitungsredaktion von Schüssen im Innenhof des Gebäudes...

Es wird gepostet und getwittert und gehetzt und geredet und verdächtigt und... Und die ganze Menschheit hinterher.

Freitag, 22. Juli 2016

Nizza und Paris

Charlie Hebdo - Sfar Johann zeichnet mir aus dem Herzen
Und wieder Bomben, Tote, Ausnahmezustand. Terror überall. Die Frequenz erhöht sich und die Gewalt nimmt zu  - unter unseren Augen.

Und wieder die Berichte und die Terror-Experten und die Betroffenheit und in den Nachrichten heißt es am Ende der Bilderschleifen: "Das Netz trauert". Natürlich unterlegt mit Sphärenmusik. Und wieder müssen wir uns 'Tweets' vorlesen lassen: "Ich schäme mich ein Mensch zu sein" - Nein, falsch! "Betet für Nizza" - Falsch! Da kommt mit die Galle hoch. Schon nach den Anschlägen in Paris zeichnete ein Karikaturist von 'Charlie Hebdo' einen Mann, der sagt: Wir brauchen nicht mehr Religion, sondern Musik, Küsse, Leben!

Paris. Immer schon: Flanieren auf den Boulevards, Montmartre, Les Halles, wo Nachtschwärmer in Abendkleidung ihr Frühstück nahmen. Zu sehen auf den alten Bildern. Rauchen, Rotwein trinken, lesen, schweigen oder sich die Köpfe heiß reden. Ich bin einer davon geworden. Leben und leben lassen.

Die Dummen, die Gewalttätigen, die Religiösen, die Feinde des Lebens, sie haben uns noch nie in Ruhe lassen können. Und jetzt überschütten sie uns nicht mehr nur - wie sonst - mit ihrer Dummheit, ihrem Hass, sie schießen auf uns.
Sie schießen nicht wahllos, sie schießen auf uns, weil wir malen, zeichnen, lachen, weil wir gegen Ungerechtigkeit aufstehen. Weil wir diskutieren, in Cafés sitzen, lieben, ins Theater gehen, Musik hören. Nie hätte ich gedacht, dass es solche Menschen geben könnte... Menschen, die Denkmäler sprengen, Musik als Teufelswerk sehen, Frauen versklaven und vergewaltigen, Menschen steinigen, zu Tode peitschen... die Welt von 'Ungläubigen' säubern. Das Mittelalter ist zurück.
ob das Beten noch hilft?
Ich weiß. Wir haben die jungen Männer jenseits der Grenzen unserer Welt in die Vorstädte abgeschoben, alleine gelassen, missachtet, ausgestoßen, ohne Arbeit, ohne Ehre, ohne Bildung, ohne Zukunft. Bis dahin kann ich verstehen. Doch die Ehre dieser Männer ist eine Lüge, um das Ausgrenzen, das Missachten, das Morden zu rechtfertigen. Die Dummen töten Kultur, Bildung, Zukunft, Menschen. Kein Verständnis. Da wo Leben ist, soll der Tod herrschen? Nein.

Gegen Dummheit und Hass. Ich bin froh ein Mensch zu sein. Wir werden kämpfen, wir müssen kämpfen um das Leben, um Recht, Vernunft und Frieden. Um das Bild einer Welt, das ich in Paris kennengelernt habe. Mit allen Widersprüchen, mit allem Leben, mit allem Geist. Liberté, Égalité, Fraternité!

Montag, 7. März 2016

"Ich glaube trotzdem"


"Die Polizei hat ermittelt: Das Kind hat die Schule geschwänzt. Hier ist kein Kind entführt und vergewaltigt worden", sagt der Reporter. Da haben wir aber nicht mit den Besorgten und Betrogenen gerechnet, "Interessiert mich nicht" sagt eine Frau vor der Kamera. "Ob das wahr ist oder nicht interessiert mich nicht, ich glaube trotzdem daran". Eine gläubige Russlanddeutsche. Glaube. Der nächste Schritt?

"Unsere Kinder sind nicht mehr sicher. Die Polizei lügt. Die Presse lügt". Der nächste Schritt?
Pressekonferenz des russischen Außenministers. Das alte Hundegesicht bellt hochoffiziell in die Mikrophone: "Ausländer vergewaltigen unsere Kinder". Und die Nazis klatschen Beifall. Immerhin werden sie von Putin finanziert. Die Putin-Propaganda-Show, die Nazis, die 'Bewegung' - sie alle ziehen an einem Strang. Hauptsache Destabilisierung... Hauptsache alle gegen Europa, alle gegen die Flüchtlinge. Was sagt die 'Linke' dazu? Nichts. Die sind sauer dass Putin lieber Frau Le Pen unterstützt. Und sie sind sauer dass ihre Wutbürger im Osten mittlerweile lieber das Original wählen: AfD.

Und sonst? Hauptsache immer auf die Merkel. Die Letzte, die sich in Europa noch vernünftig und menschlich verhält, wird in die Zange genommen. Die Letzte die noch an eine europäische Lösung glaubt, wird von Europa bekämpft. Die Gegner der deutschen Kanzlerin glauben nicht mehr an eine Frau, die an Europa glaubt. Weil sie an Menschlichkeit glaubt. An Vernunft. Ihre Gegner aber glauben nur noch an den Glauben, an Verschwörungen, an Marsmenschen und an geschlossene Grenzen. Tätowierte Dummbeutel glauben an Body-Bildung und aus deren Mund schießt die Botschaft: "Tod den Ungläubigen". Der nächste Schritt?

Die Meldungen und Posts überschlagen sich, eine Lawine aus Propaganda und Hass. Alle Ausländer rausschmeißen - aber vorher noch foltern, schreit Trump in Amerika. Ungarn hat geschlossen, Österreich macht dicht und Seehofer ist sowieso schon lange dicht. Die 'Bewegung' wird wieder zum Vorbild. PEGIDA ruft schon lange nach einem Diktator, der aufräumt, am liebsten Putin.
PEGIDA und Putin predigen die Parallelwelt, in der die Ordnung bedroht ist durch Ausländer, Intellektuelle, Presse, Opposition. Hängt sie auf, schlagt sie tot, erschießt sie. Der Rest soll glauben. Wie die Russlanddeutsche, die sich nicht mehr von Fakten aus der Ruhe bringen lässt.

Folgen wir all diesen Glaubens-Routen, führen diese geradewegs und immer zu ihren politischen Nutznießern. Putin, der Front National, die Salafisten, die Rechtsradikalen in Europa. "Der Westen ist dekadent. Merkel muss weg." Wir wollen zurück zu Kohl und Honecker, oder besser noch zu Hitler und Stalin, da konnte man als Frau noch ruhig über die Straße gehen...

Grenzen zu und Schießbefehl. Eine neue DDR. Gute Idee. Könnt ihr machen, das ganze Pack. Und macht schön dicht. Macht was ihr wollt, aber lasst uns damit in Ruhe.
Mir reicht es schon lange, das kaltlächelnde Geschwätz in fast jeder Talkshow. Weil wir ja Demokraten sind. Weil wir jeden zu Wort kommen lassen müssen. Das Muster ist: Wir setzen eine Runde von Skandal und Grusel zusammen. Beispiel 'Maischberger'. Ein Schweizer Hetzer (Roger Köppel), ein ehemaliger Führer der 'Bewegung' (Henkel), die aktuelle Führerin (Petry) - es ist unerträglich. Der Gegenpart? Ein wildgewordener Augstein und ein verbissenen Stegner (sozialdemokratischer Schnellsprechautomat). Die Talkshows sind zu Boulevardmagazinen verkommen, Irrationales, Wutschnauben, alle Plattitüden der rechten Propaganda, alle Angstszenarien werden dort ausgebreitet. Soviel zu Lügenpresse.

Dazu kommen hektische Ausweichmanöver, wie eben nach der Diskussion über die 'Kölner Ereignisse'. Haben unsere kritischen Geister völlig den Verstand verloren? Jedenfalls weigern sie sich hinter die Fassade zu blicken, so wie sonst, um zu ergründen warum bestimmte Phänomene auftreten oder gar wo deren Wurzeln liegen. Das Tempo von Meldungen, Posts, Kommentaren und Videos hat eine Frequenz erreicht, die einem Nachdenken oder gar Differenzieren kaum mehr Zeit lässt. Kaum Zeit lassen soll. Schauen wir auf die Diskussionsforen der TV-Sendungen, lesen wir nur noch braunen Müll.

Warum fällt das Denken, das Analysieren im Moment so schwer, gerade nach den Gewaltexzessen von Köln?
Die Fakten liegen auf dem Tisch, da versucht Frau Kraft (SPD) in einer Plasberg-Talkrunde immer noch zu verschleiern, dass in der Silvesternacht gelogen wurde, indem sie behauptet, die Polizei hätte erst nach und nach vom Umfang der Übergriffe erfahren.
Und Frau Künast (Grüne) überschlägt sich: Straftäter - warum Flüchtlinge - egal woher sie kommen - ohne Ansehen der Person - Keine Vorverurteilung...
Und die Kabarettisten? Eifrig dabei ihre Schablonen zu bedienen und ironisch zu relativieren: aber Vergewaltigung in der Ehe - das Oktoberfest - der Karneval - Thailand...
Binsenweisheiten. Da haben wir uns mehr versprochen. Diese Stimmen haben nichts gelernt. Eine bittere Verharmlosung der neuen Qualität an Gewalt.

Ohne Ansehen der Person? Wir müssen uns allerdings die Personen ansehen, die Täter, so wie es die Opfer tun mussten, die das öffentlich machten, als die Polizei noch verlauten ließ, es sei ein ruhiges Silvester gewesen, um dann, nach Ansehen der Personen, Formulierungen zu suchen, die nur das Ziel hatten die Herkunft der Täter zu verschleiern. Wessen Geschäft sie da betreiben, sehen wir an den verbalen Angriffen auf die Opfer, wenn diese versuchen zu schildern, was sie gesehen haben und was ihnen geschehen ist.

Eine junge Frau erzählt von ihren Erlebnissen im SWR. Über die unglaubliche Folge dieses Interviews schreibt der Sender auf seiner Seite: "Selina ist geschockt und unglaublich wütend, wenn sie an das Video denkt, das ein wildfremder Mann über sie ins Internet gestellt hat. Zu sehen sind darin Ausschnitte aus ihrem Fernsehinterview. Darin erzählt sie, dass die Männer, die sie an Silvester belästigt haben, südländisch aussehen und arabisch gesprochen haben. Dafür wird die 26-Jährige als rassistisch und rechtsradikal beschimpft."

Wir sollten, wie sonst auch, an der Seite der Angegriffenen stehen, nirgendwo sonst. Nach einer Flut von Falschmeldungen war klar dass einmal mehr die Stunde der Verschwörungsanhänger schlägt: Neuerdings wird im Netz behauptet, gerade die vielen Lügen machten offenbar, dass eben auch Köln eine einzige große Lüge gewesen sei. Die Frauen seien im Auftrag von Rechtsradikalen zur Polizei gegangen um Flüchtlinge zu diskreditieren.

Wie oft wurde von klugen Menschen in den letzten Jahren darauf hingewiesen, dass gewisse Kräfte natürlich Interesse daran haben, Gewalt und Überfälle durch Nazis und Rassisten zu verharmlosen, indem sie behaupten, diese seien doch nur Kriminelle. Es wurde immer wieder nötig zu erklären: Es sind eben nicht einfach nur Straftäter - es sind Nazis, ihr Weltbild führt zwangsläufig zur Gewalt. Und wenn das nicht gesehen werden soll, machen wir einen verhängnisvollen Fehler.

Was ist also so problematisch für 'Linke' und 'Grüne' hier mit gleichem Maß zu messen, die gleichen Fragen zu stellen - die Hintergründe zu analysieren?

Es sind interessanterweise die gleichen Kräfte, die kritisieren, dass die dummen Sätze immer beginnen mit: "Ich bin kein Nazi, aber..." in diesem Fall allerdings selbst ständig mit einem 'aber' herumwedeln und damit einfache Wahrheiten vom Tisch fegen wollen. Oder sich herauswinden, ein Stückweit, aber nachhaltig.

Ich denke, ein Linker, der nicht jede Gewalt ablehnt, jeden Übergriff anprangert, wie auch jede militärische Okkupation und jede Diktatur, der ist eben kein Linker. Jede Grüne, die sich weigert, Wahrheiten auszusprechen, ist keine Grüne und jeder Demokrat, der Unterdrückung billigt, ist eben kein Demokrat. Und noch eins: jeder Kabarettist, der mit Witzen über schwarze Männer die blonde Frauen vergewaltigen, Gewalt ironisiert und damit verharmlost, ist eben nicht mehr lustig. So einfach ist das.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.